Trotz Coronakrise Immobilienverband rechnet nicht mit sinkenden Mieten

von Robert Heimhuber
15.04.2020

Auch nach der Coronakrise wird die Nachfrage auf dem Mietmarkt hoch und der Wohnraum knapp bleiben. Das sagt Immobilienverband-Präsident Michael Schick.

Aus Sicht des Immobilienverbands Deutschland (IVD) wird die Coronakrise langfristig nicht zu sinkenden Mieten in den großen Städten führen.

 

„Unsere These lautet: Die Nachfrage auf dem Mietwohnungsmarkt wird weiterhin hoch sein und der Wohnraum weiterhin knapp bleiben“, sagte IVD-Präsident Michael Schick am Donnerstag in Berlin. Der Markt verzeichne derzeit allenfalls eine Delle.

Viele Umzüge würden aufgeschoben aber nicht aufgehoben. „Wir erwarten für dieses Jahr, dass sich die Entwicklung der Mietpreise auf dem Niveau des Vorjahres verändern wird“, sagte Schick. Demnach waren die Mietpreise im vergangenen Jahr im bundesweiten Schnitt um rund drei Prozent gestiegen und damit schwächer als in den Jahren zuvor.

Die Annahmen des Verbands decken sich mit Daten des Immobilienportals Immoscout24. „Die Preise würden fallen, wenn es ein Überangebot an Mietwohnungen auf unserer Seite gäbe“, sagte Geschäftsführer Ralf Weitz der Deutschen Presse-Agentur. „Diesen Effekt sehen wir nicht. Es gibt nicht mehr Angebote und es gibt auch keine deutlich niedrigere Nachfrage.“

 
 

Die Zahl der Angebote auf der Seite war nach Inkrafttreten der Kontaktbeschränkungen Mitte März bei Mietwohnungen demnach um rund zehn Prozent zurückgegangen.

„Allerdings sehen wir auch, dass sie sich schon wieder um fast 6 Prozent erholt hat“, hieß es. Zwar seien Massenbesichtigungen in der Krise verboten. Viele Unternehmen würden jedoch auf Einzelbesichtigungen setzen oder Videoschalten anbieten.

Es habe vor der Krise einen starken Nachfrageüberhang gegeben, sagte Weitz. „Bei den Mietwohnungen in Topstädten hatten Angebote in wenigen Stunden bis zu 100 Anfragen.“

Selbst wenn sich das aufgrund der Krise nun halbieren würde, sei die Nachfrage weiter sehr hoch. Immoscout24 nutzt Daten aus der Auswertung der Angebote und Suchen auf dem eigenen Portal. Sie zeigen damit lediglich einen Ausschnitt des gesamten Miet- und Immobilienmarkts.

 

Aus Sicht des Mieterbundes, der die Interessen der Mieter vertritt, ist es allerdings noch zu früh, um über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Wohnungsmarkt zu spekulieren.

„Noch wissen wir nicht, wie sich der Mietmarkt und die Mietpreise in den Städten und Ballungszentren nach der Hochphase der Pandemie entwickeln werden, im Moment scheint der Markt erstmal eingefroren“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Der Mieterbund rät Interessierten dazu, Wohnungsbesichtigungen auf die Zeit nach der Pandemie zu verschieben. „Videoschaltungen ersetzen keine Besichtigung vor Ort, da nur die reale Besichtigung vor Ort einen umfassenden Eindruck und die genaue Prüfung des Angebots ermöglicht.“ Online sehe der Mieter nur das, was ihm gezeigt wird.

Die Daten des Immobilienportals zeigen darüber hinaus einen deutlichen Anstieg von Angeboten auf dem Teilmarkt „Wohnen auf Zeit“, wo Wohnungen nur für einen begrenzten Zeitraum, meist wenige Monate, angeboten werden.

In den sieben größten deutschen Städten wuchs dieses Angebot zwischen Mitte März und Anfang April demnach um knapp ein Drittel, allein in Düsseldorf um nahezu die Hälfte.

„Viele private Vermieter scheinen ihre Ferienwohnungen umzuwidmen und in den Mietwohnungsmarkt zurückzuführen“, heißt es von Immoscout24. Wie viele davon zuvor auf dem Ferienwohnungs-Portal Airbnb angeboten wurden, lasse sich nicht sagen.

IVD-Präsident Schick glaubt aber nicht, dass diese Entwicklung für den generellen Mietmarkt eine Entlastung bedeutet. Er könne gut nachvollziehen, dass der Airbnb-Tourismus derzeit einbreche und viele Anbieter nun auf den regulären Wohnungsmarkt ausweichen. „Ich halte das aber für eine kleine Marktnische, die keine großen Auswirkungen auf den Gesamtmarkt hat.“

 

Quelle: www.wiwo.de

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