Preise werden fallen Immobilien-Käufer profitieren von Krise

von Robert Heimhuber
03.04.2020

Der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses ist derzeit kaum möglich. Das kann von Vorteil sein: Denn die wirtschaftliche Vollbremsung wegen des Coronavirus mit Kurzarbeit und absehbar steigender Arbeitslosigkeit wird die Nachfrage dämpfen.

Die Banken haben aktuell alle Hände mit der Vergabe von KfW-Krediten zu tun. Hypothekendarlehen spielen im Corona-Umfeld kaum eine Rolle. Ein Bank-Mitarbeiter sagte ntv.de: “Die Kunden kümmern sich derzeit um anderes als um einen Immobilienkredit.” Gleichzeitig ist es schwierig, einen Termin beim Notar zu bekommen. Deren Büros sind nur eingeschränkt geöffnet. Und die Zusammenkunft von mehr als zwei Personen ist derzeit sowieso untersagt. Bei einem üblichen Termin kommen aber mindestens drei Personen zusammen: Käufer, Verkäufer und Notar. 

Außerdem finden Besichtigungen von Immobilien Pandemie-bedingt nur eingeschränkt statt, wenn überhaupt. Denn auch hier gilt die Kontakt-Begrenzung auf zwei Personen. Damit sind nur noch Einzelbesichtigungen erlaubt.

Angesichts dieser Rahmenbedingungen ist es erstaunlich, welche Preise für Betongold weiterhin aufgerufen werden. So werden auf immbilienscout24.de beispielsweise Ein-Zimmer-Apartments im Berliner Stadtteil Schöneberg noch immer ab 4000 Euro pro Quadratmeter und mehr angeboten. In den beliebten Quartieren Prenzlauer Berg oder Mitte liegen die Preise noch spürbar höher. Gefühlt befindet sich das Preisniveau damit auf Vor-Corona-Niveau.

Preise dürften fallen

Erfahrungsgemäß reagieren Immobilienmärkte deutlich langsamer auf Änderungen der Rahmenbedingungen als beispielsweise die Aktienbörsen. Doch auch hier ist es aus verschiedenen Gründen wahrscheinlich, dass die angebotenen Preise in den kommenden Monaten sinken.

Schon vor der Ausbreitung der Lungenkrankheit hat in Berlin der umstrittene Mietendeckel für eine gewisse Abkühlung auf dem heiß gelaufenen Immobilienmarkt gesorgt. Dabei handelt es sich allerdings bislang um ein Phänomen der Hauptstadt.

Jetzt dürfte jedoch auch bundesweit die Corona-Krise Druck auf die Preise von Wohnungen und Häusern ausüben. Bei fremdvermieteten Immobilien ist zu erwarten, dass es durch Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zu Mietausfällen kommt. Das wirkt sich dann natürlich auch auf die Preise aus. Außerdem ist leider eine steigende Zahl von Eigentümern zu erwarten, die ihre Zins- und Hypotheken-Verpflichtungen nicht bedienen können. Die Zahl der Zwangsversteigerungen dürfte im weiteren Zeitverlauf steigen.

Gleichzeitig wird die wirtschaftliche Vollbremsung für ein Sinken der Nachfrage sorgen. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) meldete bereits: “Angesichts der Schärfe der zu erwartenden Rezession gehen wir davon aus, dass der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt beendet ist.” Es ist absehbar, dass viele potenzielle Käufer angesichts der hohen Arbeitsplatz-Unsicherheit zumindest kurzfristig den Erwerb einer Immobilie verschieben werden, möglicherweise sogar auch auf mittlere und lange Sicht.

Knappere Mittel

Zudem dürfte bei einer größeren Zahl von Interessenten das benötigte Eigenkapital knapper werden. Viele Menschen werden angesichts von Kurzarbeit oder Job-Verlust auf ihre finanziellen Rücklagen zurückgreifen müssen. Dazu kommen noch bei dem einen oder anderen spürbare Verluste an den Finanzmärkten. “Vor allem in den teuren Lagen der Großstädte könnten daher die Wohnimmobilienpreise etwas nachgeben”, so die Helaba weiter. Andreas Ibel, Präsident des mittelständischen Immobilienverbands BFW, spricht bereits von einem starken Rückgang der Nachfrage.

Einen Vorgeschmack auf die weitere Entwicklung bei den Immobilienpreisen gibt die Börse. Die Aktien von Vonovia, dem größten Bestandshalter von Immobilien in Deutschland, haben auf Sicht von einem Monat knapp acht Prozent nachgegeben. Beim Konkurrenten Deutsche Wohnen sind die Kurse im selben Zeitraum um rund fünf Prozent gesunken. Das ist im aktuellen Umfeld nicht dramatisch, könnte aber erst der Anfang sein. Generell heißt es, die Börsianer denken immer rund sechs Monate voraus. Für potenzielle Erwerber von Betongold könnten sich nach langer Zeit demnächst wieder einmal günstigere Kauf-Gelegenheiten ergeben.

Über den Autor: Wolfgang Böhm arbeitet als freier Finanz- und Wirtschaftsjournalist in Berlin.

Quelle: https://www.n-tv.de

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